Was macht einen guten Investor aus?
Chart of the Week
Über 70 Prozent der Deutschen geben an, dass ihr Haushalt über Ersparnisse verfügt. Das ist der höchste Wert, seitdem wir diese Frage im Rahmen unserer Verbraucherumfragen im Jahr 2013 zum ersten Mal stellten. Parallel dazu ist der Anteil der Befragten ohne Ersparnisse auf einen neuen Tiefstwert gefallen. Und auch wenn einiges darauf hindeutet, dass es sich dabei eher um ein Vorsichtssparen handeln dürfte als um den Ausdruck einer auf breiter Basis verbesserten finanziellen Lage, so ist es doch zu begrüßen, dass es mehr Menschen gelingt, Rücklagen zu bilden.
Unter den Befragten mit Ersparnissen geben mit 63 Prozent fast zwei Drittel an, diese Rücklagen nicht nur in Form von Guthaben auf Sparkonten oder in bar unter der sprichwörtlichen heimischen Matratze zu halten, sondern zumindest einen Teil davon auf die eine oder andere Weise auch investiert zu haben.
Das mag auf den ersten Blick erstaunen – gelten die Deutschen doch als äußerst risikoscheue Anleger, die nichts so sehr lieben wie einen Kontoauszug, der einen Anspruch auf Auszahlung einer bestimmten Summe verbrieft. Dass die Fragestellung auch konservative Anlageformen wie Lebens- oder Rentenversicherungen umfasste, könnte dieses Erstaunen ein wenig lindern. Und wie unser Chart der Woche zeigt, haben viele Deutsche offenbar die Anlagephilosophie des als „Börsen-Guru“ bekanntgewordenen Investors André Kostolany verinnerlicht, die sich in einem seiner berühmten Zitate widerspiegelt: „Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten, und schauen Sie die Papiere nicht mehr an.“
André Kostolany wäre stolz
„Welches sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Eigenschaften eines guten Investors? Ein guter Investor …“ Anteil der Nennungen als eine der drei wichtigsten Eigenschaften
Mit dem ersten Teil von Kostolanys Börsenweisheit – den Aktien – tun sich viele Deutsche noch schwer. Laut Deutschem Aktieninstitut besitzen nur rund 4,2 Millionen Menschen hierzulande Unternehmensbeteiligungen in dieser Form. Populärer sind Fonds und ETFs – Eigentümer dieser Anlageformen mitgezählt, sind es rund 12,1 Millionen, die hierzulande direkt oder indirekt in Aktien investiert sind.
Ganz auf der Linie der ungarischstämmigen Investorenlegende liegen die Deutschen aber bei Teil 2 des Ratschlags: Denn einen langfristigen Anlagehorizont sollte ein guter Investor einer Mehrheit zufolge sehr wohl mitbringen. Fast zwei Drittel nannten diesen Aspekt als eine der drei wichtigsten unter sieben Eigenschaften.
27 Prozent sehen eine langfristige Anlagestrategie sogar als die wichtigste Eigenschaft an, gefolgt von 23 Prozent, die hier eine Konzentration auf Sicherheit und Stabilität nennen. Ein ausgeprägtes Finanzmarktwissen folgt erst mit knapp 15 Prozent auf Platz drei. Risikobereitschaft steht hingegen bei den Deutschen nicht hoch im Kurs. Gerade einmal 13 Prozent sehen sie als eine der drei wichtigsten Eigenschaften eines guten Investors an, weniger als 5 Prozent nennen sie an erster Stelle.
Dennoch – ganz ohne Risiko geht es nicht, da würde sicherlich auch Herr Kostolany zustimmen. Und auch die 63 Prozent, die wenigstens einen Teil ihrer Ersparnisse investiert haben, bestätigen das, wenn auch vermutlich in vielen Fällen unbewusst: Denn letztlich ist jeder Cent an zusätzlicher Rendite, den sie mit ihren Investitionen gegenüber einer risikolosen Anlage – beispielsweise einem einlagengesicherten Sparkonto – mehr erwirtschaften, nichts anderes als ihre Entlohnung für das eingegangene Risiko.
Rechtlicher Hinweis: Die dargestellten Informationen richten sich ausschließlich an natürliche Personen mit dauerhaftem Wohnsitz und Aufenthalt in Deutschland und stellen keine Anlageberatung oder ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten dar. Sie dienen ausschließlich zu Informationszwecken.