Macht Trump Deutschland „great again“?
Chart of the Week
Statt MAGA heißt es in den USA nun Trumpcession. Dafür scheint sich das Blatt hierzulande zu drehen – zumindest impliziert das der Blick auf die Märkte und die Stimmungsindikatoren. Während die Trumponomics in den USA die Wachstumssorgen immer stärker befeuern, scheinen sie hierzulande zu neuen Höchstleistungen á la „Whatever it takes“ anzutreiben. Doch was für die kurzfristige Stimmung gut ist, impliziert noch lange kein Wirtschaftswunder 3.0.
In den Wahlkampf und in seine 2. Amtszeit war der US-amerikanische Präsident Donald Trump mit einem klaren Ziel gestartet: Make America Great Again. Eine strikte Handels- und Migrationspolitik, doch auch Steuererleichterungen für Unternehmen und Verbraucher sowie Deregulierung und Bürokratieabbau sollten die US-Wirtschaft ordentlich ankurbeln. In den USA selbst hatte Trumps Sieg initial für Euphorie an den Märkten gesorgt. Der Vertrauensvorschuss in den wirtschaftlichen Erfolg der Pläne Trumps ist zuletzt allerdings einem ersten Realitätscheck gewichen. Tatsächlich heißt es in den USA statt MAGA mittlerweile nämlich Trumpcession. In den bisher 60 Tagen seiner Amtszeit hat Donald Trump zwar etliche Maßnahmen auf den Weg gebracht, die allermeisten betreffen allerdings die Zollpolitik. Maßnahmen, die Unternehmen und Verbrauchern direkt zugutekommen, gibt es bisher nicht. Stattdessen wirken die Produktzölle auf Sicht wie eine Extrasteuer – und die zahlt der US-amerikanische Verbraucher. Stand jetzt gibt es also vor allem die Aussicht auf höhere Steuern, statt, wie versprochen, Steuersenkungen. Hinzu kommt, dass Trumps Zollpolitik große Unsicherheit auslöst – das Hin und Her rund um Zölle auf kanadische und mexikanische Güter ist das jüngste Beispiel dafür, wie Planungssicherheit nicht funktioniert.
Während in den USA in den ersten Wochen des Jahres vor allem Inflationssorgen dominierten, sind zuletzt verstärkt Wachstumssorgen hinzugekommen. Dementsprechend flüchteten die Finanzmarktteilnehmer sich in sogenannte „sichere Häfen“ – langfristige Staatsanleihen. Steigt die Nachfrage nach Anleihen, steigt auch der Preis – und die Rendite fällt. Umgekehrt gilt: sinkt die Nachfrage, sinkt der Preis der Anleihe und ihre Rendite steigt. Unser Chart of the Week zeigt, dass die Rendite der US-amerikanischen 10-jährigen Staatsanleihe zuletzt von den zu Jahresbeginn erreichten Hochs deutlich gesunken ist. Das Gegenteil ist der Fall für die Rendite der deutschen 10-jährigen Staatsanleihe, die zuletzt während des historischen Abverkaufs am deutschen Staatsanleihemarkt innerhalb eines Tages um mehr als 40 Basispunkte angestiegen war.
Rendite der deutschen & US-amerikanischen 10-jährigen Staatsanleihe
(Veränderung seit der US-Präsidentschaftswahl in Basispunkten)
Denn während in den USA Wachstumsängste mehr und mehr dominieren und die Nachfrage nach „sicheren Häfen“ daher steigt, scheinen sich die Aussichten in Deutschland zu bessern. Die Nachfrage am Anleihemarkt geht zurück, die nach als riskanter geltenden Finanzprodukten steigt. Das Blatt scheint sich gewendet zu haben.
Grund für den frischen Optimismus in Deutschland ist die 180-Grad Wende der wahrscheinlich künftigen deutschen Bundesregierung. Ausgelöst wurde der U-Turn durch die Frage, inwiefern die USA unter Trump noch als verlässlicher Partner in Verteidigungsangelegenheiten zur Verfügung stünden. Diese hat in Europa den Grundstein für die Dringlichkeit zur Erhöhung der Verteidigungsausgaben gelegt, aus der heraus CDU/CSU und SPD gemeinsam den Vorschlag in den Bundestag einbrachten, die Schuldenbremse zu reformieren und ein 500 Mrd. Euro schweres Sondervermögen für Infrastrukturinvestitionen aufzulegen. Am Dienstag passierte die Gesetzesänderung den Bundestag, kommende Woche muss noch die Hürde im Bundesrat genommen werden. Wenn dies geschehen ist, werden Verteidigungsausgaben, die 1 Prozent des BIP übersteigen, von der Schuldenbremse ausgenommen. Auch für die Bundesländer sollen die Schuldenregeln gelockert werden. Außerdem ist dann der Weg geebnet, um in den kommenden 12 Jahren jedes Jahr durchschnittlich rund 1-1,5 Prozent des BIP in die Modernisierung der Infrastruktur bzw. die grüne Wende zu investieren.
An den Märkten führte dieser „Whatever it takes“-Moment zur Erwartung an höhere Verschuldung in der Zukunft, aber auch zu verbesserten Wachstumsaussichten. Und zum stärksten Abverkauf am Anleihemarkt innerhalb eines Tages seit den 1990ern. Der in dieser Woche veröffentlichte ZEW-Index, zugegebenermaßen eher ein richtungsweisender Indikator, unterstrich die Wachstumshoffnungen, die von der fiskalpolitischen Wende ausgehen. Zwar blieb die Einschätzung zur aktuellen Lage auf einem extrem niedrigen Niveau, doch die Konjunkturerwartungen stiegen auf den höchsten Wert seit Februar 2022. Und allein dieser Stimmungs-Boost, der sich, sollte es keine politischen Rückschläge in Deutschland geben, fortsetzen sollte, dürfte die wirtschaftlichen Aussichten kurzfristig schon mal verbessern. Langfristig dürften die zusätzlichen Investitionen und Verteidigungsausgaben ebenfalls mehr Wachstumspotenzial mit sich bringen.
Nach einem Wirtschaftswunder 3.0 sieht es allerdings noch nicht aus. Die Wachstumsaussichten haben sich dank Aussicht auf höhere Verteidigungsausgaben und Investitionen gebessert, keine Frage – doch das kürzlich veröffentlichte Sondierungspapier von CDU/CSU und SPD zur möglichen Koalition lässt Maßnahmen, die die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands wiederherstellen könnten, vermissen. Ebenso wie Vorschläge zur Finanzierung der größtenteils konsumtiven Ausgaben. Außerdem verschwinden wirtschaftliche Risiken wie ein drohender Handelskrieg nicht über Nacht.
Die wahrscheinlich künftige Bundesregierung wurde unter anderem durch Trumps politischen Kurs zu einem beachtlichen Richtungswechsel getrieben. Um von MAGA zu MGGA (Make Germany Great Again) zu gelangen, ist allerdings mehr nötig als das historische Fiskalpaket dieser Woche.