Wärme, Energie, Zukunft: Die zentrale Rolle von Erdgas

Geldanlage 7 min Lesedauer 10.02.2025
Pipeline

An kalten Wintertagen gibt es kaum etwas Schöneres, als in eine warme Wohnung zurückzukehren. Doch diese wohlige Wärme ist keine Selbstverständlichkeit – sie hängt von der Energiequelle ab, mit der geheizt wird. Erdgas spielt dabei eine zentrale Rolle. 

Eine Analyse von Thomas Behnke, Busch und Partner| Werbemitteilung

Inhaltsverzeichnis
  1. EU – Wärmeerzeugung nach Energieträger im Jahr 2022
  2. Wachstumsmarkt LNG
  3. Shell: Globaler Champion im LNG-Geschäft
  4. LNG und erneuerbare Energien: TotalEnergies verfolgt doppelte Wachstumsstrategie
  5. Equinor: Norwegens Antwort auf den Energiewandel
  6. Vergleich der Kursentwicklung von Shell, TotalEnergies und Equinor (5 Jahre)
  7. ETFs auf den Energiesektor: Breitere Streuung oder gezielte Auswahl?
  8. Fazit
  9. Investment-Beispiele ETF und Aktien

In Deutschland werden nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) rund 48,3 % der Wohnungen mit dem fossilen Energieträger beheizt (Stand: 2023). Auch in vielen anderen europäischen Ländern spielt Erdgas als Wärmequelle eine wichtige Rolle. In der gesamten EU werden rund 30 % der Wärme mit Erdgas erzeugt, etwa gleich viel wie mit festen Biobrennstoffen wie Holz.

EU – Wärmeerzeugung nach Energieträger im Jahr 2022

Waermerzeugung EU 2022

Auch im weltweiten Energiemix spielt Erdgas eine wichtige Rolle. Laut IEA lag der Anteil 2023 bei 21 % und war nach Erdöl (30 %) und Kohle/Torf (27 %) der drittwichtigste Energieträger. Erdgas wird zur Stromerzeugung, in der Industrie und zum Heizen verwendet. In Europa und Nordamerika wird es stärker als in anderen Regionen eingesetzt, insbesondere als Ersatz für Kohle, da es als sauberer fossiler Brennstoff gilt. Zudem wird es als Brückentechnologie betrachtet, da es kurzfristig Versorgungssicherheit bietet und langfristig den Übergang zu erneuerbaren Energien unterstützt.

Wachstumsmarkt LNG

Neben dem meist über Pipelines transportierten Rohstoff spielt verflüssigtes Erdgas (LNG) eine wachsende Rolle auf dem globalen Energiemarkt, da es flexibel per Tanker transportiert werden kann. Zu den größten LNG-Produzenten gehören Katar, die USA und Australien. LNG gilt als Wachstumsmarkt, der sich in den nächsten Jahren durch steigende Nachfrage in Asien und Investitionen in Produktionskapazitäten ausweiten dürfte. Eine Studie von Spherical Insights prognostiziert, dass der globale LNG-Markt zwischen 2022 und 2032 mit einer jährlichen Wachstumsrate von 7,6 % wachsen wird.

Shell: Globaler Champion im LNG-Geschäft

Die Themen Erdgas und LNG spiegeln sich in den Strategien europäischer Energiekonzerne wie Shell wider. Das britische Unternehmen geht davon aus, dass Öl und Gas noch für Jahrzehnte zentral bleiben, jedoch allmählich an Nachfrage verlieren werden. Shell setzt daher verstärkt auf Zukunfts-Energiesysteme wie Wind- und Solarenergie, Wasserstoff sowie Lösungen zur CO₂-Speicherung und -Abscheidung (CCS). 

Erdgas und LNG spielen laut Shell aber eine entscheidende Rolle in der Energiewende, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Im Kerngeschäft Erdöl und Erdgas liegt der Fokus daher auf dem Ausbau der LNG-Aktivitäten, in denen Shell seit über 60 Jahren tätig ist und als weltgrößter LNG-Händler einen Marktanteil von 16 % hat. 

Als großer LNG-Produzent könnte Shell von einer steigenden Nachfrage profitieren. Das cashflow- und dividendenstarke Modell bietet Wachstumschancen, auch durch Diversifikation. Mit einem KGV von 9,1 liegt die Bewertung unter dem historischen Mittel. Herausforderungen sind die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen, volatile Preise, starker Wettbewerb, geopolitische Risiken und die steigende Komplexität durch parallele Tätigkeiten in fossilen und erneuerbaren Energien.

LNG und erneuerbare Energien: TotalEnergies verfolgt doppelte Wachstumsstrategie

Diesen Herausforderungen stellt sich auch TotalEnergies, der zweitgrößte europäische LNG-Konzern nach Shell. Das französische Unternehmen verfolgt eine Multi-Energie-Strategie und plant, die Öl- und Gasproduktion, insbesondere LNG, bis 2030 jährlich um 3 % zu steigern. 

Gleichzeitig überträgt TotalEnergies sein integriertes Modell auf die Stromwertschöpfungskette und investiert in Solar- und Windkraft sowie flexible Kraftwerke. Bis 2030 soll die Stromproduktion auf über 100 Terawattstunden jährlich verdoppelt werden, um zu den Top 5 der Produzenten aus Wind- und Sonnenenergie zu gehören. Diese Menge entspricht etwa 20 % des jährlichen Stromverbrauchs der deutschen Industrie. Das Unternehmen setzt damit auf die steigende Stromnachfrage durch Elektrifizierung und Digitalisierung.  

Die soliden Gewinne aus dem Öl- und Gasgeschäft bieten die finanzielle Basis für Investitionen in die strategische Ausrichtung, aber auch für Dividenden. Das KGV liegt aktuell bei 7,8 und damit unter dem historischen Schnitt von 10.

Equinor: Norwegens Antwort auf den Energiewandel

Ähnlich wie Shell und TotalEnergies verfolgt auch der norwegische Öl- und Gaskonzern Equinor eine Dekarbonisierungs-Strategie und nutzt die Cashflows aus dem Öl- und Gasgeschäft, um in Windparks, Solarenergie, Wasserstoff und CCS-Projekte zu investieren. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Offshore-Windenergie, in der das Unternehmen zu den Marktführern gehört. Dies ist ein Unterschied in der strategischen Ausrichtung zu Shell und TotalEnergies, die ihre Investitionen in erneuerbare Energien breiter streuen. 

Daneben setzt Equinor weniger auf LNG, plant aber auch, die Öl- und Gasförderung in den nächsten Jahren durch neue Entwicklungsprojekte auszubauen. Das Unternehmen hat eine geringere globale Reichweite und fokussiert sich stärker auf Norwegen und Europa, was eine stabilere Position schafft. Auch die staatliche Eigentümerschaft Norwegens (67 %) prägt die Firmenstrategie mit einem Fokus auf nachhaltige Ressourcennutzung statt aggressiver Expansion. Mit einem KGV von 7,2 liegt die Bewertung der Equinor-Aktie aktuell unter ihrem langfristigen Durchschnitt von 10,7.

Vergleich der Kursentwicklung von Shell, TotalEnergies und Equinor (5 Jahre)

Performancevergleich Aktien Energieversorger

ETFs auf den Energiesektor: Breitere Streuung oder gezielte Auswahl?

Neben Einzelinvestments im Energiesektor haben Anlegerinnen und Anleger die Möglichkeit, über ETFs das Thema Energieversorgung breit gestreut als Beimischung in ihr Portfolio aufzunehmen. So gibt es beispielsweise ETFs auf den STOXX Europe 600 Oil & Gas Index und den MSCI Europe Energy 20/35 Capped Index. Beide Kursbarometer sind ähnlich konstruiert und haben in den vergangenen fünf Jahren eine ähnliche Performance gezeigt, wobei der MSCI Europe Energy 20/35 Capped etwas besser abgeschnitten hat. 

Auch bei der Anzahl der Titel gibt es Unterschiede. Der MSCI Europe Energy 20/35 Capped umfasst mit 11 Positionen eine konzentrierte Auswahl, während der STOXX Europe 600 Oil & Gas mit 22 Unternehmen breiter aufgestellt ist. In Letzterem sind auch Firmen wie der Windkraftanlagenhersteller Vestas Wind Systems oder der Energietechnikkonzern Siemens Energy enthalten, da der Sektor „Oil & Gas“ neben traditionellen Öl- und Gaskonzernen auch Unternehmen in erneuerbaren Energien und Energieinfrastruktur umfasst. Der MSCI Europe Energy 20/35 Capped hingegen definiert den Energiesektor enger und fokussiert sich auf fossile Brennstoffe, Raffinerien, Energieausrüstung und ähnliche Aktivitäten.

Fazit

Erdgas dürfte weltweit ein zentraler Energieträger bleiben, insbesondere als Brückentechnologie für den Übergang zu erneuerbaren Energien. LNG hat in diesem Zusammenhang an Bedeutung gewonnen und gilt als zukunftsträchtiger Markt, der Unternehmen wie Shell und TotalEnergies Wachstumsperspektiven bietet. Gleichzeitig setzen Energiekonzerne verstärkt auf den Ausbau ihrer Aktivitäten im Bereich der erneuerbaren Energien. Für Anlegerinnen und Anleger bieten neben Einzelinvestments in den Sektor auch ETFs Möglichkeiten, vom Energiemarkt der Zukunft zu profitieren.

Investment-Beispiele ETF und Aktien

Name  ISIN Aktueller Kurs KGV* (2025) Gewinn/Aktie (2025**) Dividende (2025**) Dividenderendite (2025**)
Shell GB00BP6MXD84 32,12 EUR 9,05 3,55 EUR 1,40 EUR 4,36 %
TotalEnergies FR0000120271

59,20 EUR

7,82 7,57 EUR 3,47 EUR 5,86 %
Equinor NO0010096985 23,13 EUR 7,18 3,22 EUR 1,45 EUR 6,27 %
SPDR MSCI Europe Energy ETF IE00BKWQ0F09 202,40 EUR - - 0,00 EUR 0,00 %
iShares STOXX Europe 600 Oil & Gas ETF DE000A0H08M3 36,28 EUR - - 0,00 EUR 0,00 %

*KGV: Kurs-Gewinn-Verhältnis; ** Prognose (Quelle: FactSet); Stand: 10.02.2025

Autor: Thomas Behnke

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