Endlich Urlaub! Die Reiselust ist zurück.

Geldanlage 7 min Lesedauer 10.07.2024
Personen im Wasser mit Beinen nach oben

Urlaub ist die schönste Zeit des Jahres. Diese gilt es auszukosten und zu genießen. Genau davon machen die Menschen wieder regen Gebrauch, wie die Zahlen des Deutschen Reiseverbands (DRV) zum deutschen Reisemarkt zeigen.

Inhaltsverzeichnis
  1. Pauschalreisen gewinnen an Attraktivität
  2. Südeuropa preiswerter als Deutschland
  3. Babyboomer könnten Tourismusbranche einen Boom bescheren
  4. Tourismus-Aktien interessant?

Mit 13,3 Tagen stieg die durchschnittliche Reisedauer bei Haupturlaubsreisen 2023 das dritte Jahr in Folge (2022: 13,0 Tage). Ebenfalls gestiegen sind die Reiseausgaben. Sie übertrafen im vergangenen Jahr das Vor-Corona-Niveau und erreichten mit 79,0 Mrd. Euro einen Rekordwert (2019: 69,5 Mrd. Euro). „Die Deutschen haben fast 10 Mrd. Euro mehr als vor der Pandemie für das Reisen ausgegeben. Das zeigt: Die Reiselust ist wieder zurück“, resümierte DRV-Präsident Norbert Fiebig im März auf der weltweit größten Reisefachmesse ITB Berlin. 

Von den 65,0 Mio. Urlaubsreisen mit einer Mindestdauer von 5 Tagen hatten im vergangenen Jahr 78,0 % eine Location im Ausland zum Ziel. Besonders die Regionen rund um das Mittelmeer sind bei den Deutschen beliebt. Allen voran Spanien, gefolgt von Italien, der Türkei, Kroatien und Griechenland. Am schnellsten und bequemsten lassen sich die Ziele im sonnigen Süden natürlich mit dem Flieger erreichen. Aufgrund der hohen Nachfrage nach Flugpauschalreisen löste das Flugzeug 2023 das Auto als das am häufigsten genutzte Verkehrsmittel für längere Urlaubsreisen ab. 

Pauschalreisen gewinnen an Attraktivität

Ein weiterer Trend, den Reisebüros und -veranstalter verzeichnen, ist die hohe Nachfrage nach Pauschalreisen. Ihr Marktanteil stieg 2023 auf 48 % (2022: 43,3 %). Insbesondere bei Reisen ins Ausland delegieren die Bundesbürgerinnen und Bundesbürger die Organisation an professionelle Anbieter und gönnen sich den Luxus, sich um nichts weiter kümmern zu müssen. So wird schon der Start in den Urlaub entspannt. 

Zudem haben speziell All-inclusive-Pauschalreisen einen großen Vorteil: Die Kosten lassen sich besser kalkulieren. Ein Punkt, der nicht zu unterschätzen ist. Oft wird die Reisekasse in der Hauptreisezeit stärker in Anspruch genommen als geplant. Laut der Deutschen Tourismusanalyse erreichten die Ausgaben für den Urlaub 2023 in Deutschland mit durchschnittlich 1.538 Euro pro Person ein Rekordniveau. Für eine vierköpfige Familie beliefen sich die Kosten damit auf mehr als 6.000 Euro. Im Vorjahr lagen die durchschnittlichen Gesamtausgaben bei der Haupturlaubsreise noch bei 1.357 Euro pro Person, im Vor-Corona-Jahr 2019 bei 1.208 Euro pro Person.

Südeuropa preiswerter als Deutschland

In Deutschland ist das Essengehen mit der Rückkehr zum Mehrwertsteuersatz von 19 % in der Gastronomie seit Jahresbeginn wieder teurer. In vielen süd- und südosteuropäischen Urlaubsländern wie Spanien, Griechenland oder der Türkei ist das Preisniveau bei Restaurantbesuchen und Hotelaufenthalten dagegen niedriger als in Deutschland. Auch dies erklärt die Vorliebe der Deutschen für den Mittelmeerraum. Allerdings wird der Flug dorthin teuer, denn viele Fluggesellschaften geben gestiegene Kosten an die Passagiere weiter. Anfang Mai 2024 wurde die Luftverkehrsteuer in Deutschland erneut erhöht. Zudem kündigte die Lufthansa an, ab Januar 2025 einen Umweltkostenzuschlag zu erheben, der durch Umweltauflagen der EU bedingt ist.  

Tipp: Wer schon zu Jahresbeginn auf den Sommerurlaub fix macht, kann insbesondere bei Pauschalreisen von attraktiven Frühbucherrabatten profitieren. 

Babyboomer könnten Tourismusbranche einen Boom bescheren

Für 2024 erwartet die deutsche Reisewirtschaft erneut mehr Pauschalreisende und ein Umsatzplus. Denn die Nachfrage nach Fernreisen und Kreuzfahrten ist hoch. Einiges spricht dafür, dass dieser Trend anhält. So ist die Reiselust der Menschen nach der Corona-Pandemie wieder zurück. Darüber hinaus dürfte die Demografie der Branche in die Karten spielen. In den nächsten Jahren scheiden nicht nur in Deutschland viele Babyboomer (Jahrgänge von Mitte 1950 bis Ende 1960) aus dem Berufsleben aus. Damit steigt die Zahl der Menschen, die Zeit und Geld zum Reisen haben.

Tourismus-Aktien interessant?

Mit Blick auf die Reiselust und die hohe Nachfrage könnten Urlaubsaktien ein interessantes Investment sein. Viele Wirtschaftszweige und börsennotierte Unternehmen bedienen mit ihren Geschäftsaktivitäten ganz oder teilweise den Tourismus. Dazu zählen beispielsweise:  

  • Reiseveranstalter und Buchungsportale: TUI, Booking Holdings, Trip.com, Expedia, Airbnb 
  • Fluggesellschaften: Lufthansa, Easyjet, Ryanair 
  • Flughafenbetreiber: Fraport, Vinci 
  • Kreuzfahrtgesellschaften: Carnival, Norwegian Cruises, Royal Caribbean Cruises 
  • Hotels: Hilton Worldwide, Marriott, Accor 
  • Kreditkartenunternehmen: Mastercard, VISA, American Express 

Luxusgüterhersteller wie LVMH partizipieren ebenfalls vom Tourismus. Nicht nur in den Duty-Free-Shops auf den Flughäfen. Vor allem zahlungskräftige Kundschaft aus Asien ließ bei den Anbietern im Luxussegment in den vergangenen Jahren die Kassen klingeln. 

Allerdings ist ein Investment in Tourismus-Aktien nicht frei von Risiken. So können die Wertpapiere aufgrund spezifischer Risikofaktoren erhöhte Kursschwankungen aufweisen. Neben dem latenten Risiko einer neuen Pandemie kann beispielsweise eine drastische Verschlechterung der konjunkturellen Lage die Menschen auch beim Reisen zum Sparen zwingen. Zudem ist zu beobachten, dass Touristen-Hotspots zunehmend gegen Massentourismus vorgehen und den Zustrom begrenzen. Umweltauflagen dürften in den Bereichen Flugverkehr und Kreuzfahrten auch in Zukunft die Kosten steigen lassen. In welchem Umfang die Unternehmen die Reisewilligen daran beteiligen können, wird maßgeblich Einfluss auf deren Gewinnentwicklung haben. 

Hinzukommt, dass nicht alle Unternehmen in gleichem Maße von Kostensteigerungen und Risikofaktoren betroffen sind. Ein Beispiel hierfür ist der führende Online-Reiseanbieter Booking Holdings mit seiner gleichnamigen hin Tochterfirma Booking.com. Die einfache unkomplizierte Buchung und ein Rabattsystem treffen den Nerv der jüngeren Generationen. Der Erfolg spiegelt sich im Kurs der Aktie wider. Dagegen lässt die Performance der TUI-Aktie auf 5-Jahressicht zu wünschen übrig. Im Gegensatz zu Booking Holdings ist TUI kein reines Plattformunternehmen. Zum Touristikkonzern mit dem Lächeln im Firmenlogo gehören rund 1.200 Reisebüros, mehr als 360 Hotels und Resorts, 16 eigene Kreuzfahrtschiffe und 126 Flugzeuge. Ein enormer Kostenblock, den es auch im Hinblick auf den Wettbewerb in der Branche klug zu managen gilt. Ein Beispiel dafür, dass knapp kalkulierte Angebote den Bestand des Unternehmens gefährden können, lieferte die Insolvenz des Reisekonzerns FTI-Group Anfang Juni 2024. Für TUI und andere Wettbewerber wie DER Touristik bietet dies die Gelegenheit, Marktanteile hinzuzugewinnen. Beide Unternehmen kündigten kurz nach der Insolvenz an, Kontingente speziell für Reisen in die Regionen aufzustocken, die FTI zuvor bediente. 

Vor einem Investment in Tourismusaktien ist ein genauerer Blick auf die Geschäftsbereiche und Aufstellung der infrage kommenden Unternehmen und deren Entwicklung in der Vergangenheit sinnvoll. Auch wenn historische Entwicklungen kein verlässlicher Indikator für die Zukunft sind, sollten stärkere Kursrückgänge in der Vergangenheit ein Signal sein, in den Unternehmensmeldungen nach der Ursache zu suchen. Einen guten Überblick über Unternehmen aus dem Bereich Tourismus bietet die Aktien-Suche der ING. Damit kann gezielt nach Aktien gesucht werden, die einer bestimmte Branche angehören, z. B. Gastronomie & Tourismus. Eine andere Möglichkeit ist über das Trendthema „Freizeit“ gezielter nach Untertrends wie „Kreuzfahrten“ oder „Hotels“ zu suchen. Das Ergebnis kann anschließend nach einzelnen Kriterien wie z. B. Wertentwicklung, KGV oder Dividendenrendite sortiert werden. 

Unternehmen

Entwicklung 5 Jahre 

Hilton Worldwide +122,74 % 
Booking Holdings +114,32 %
Mastercard +71,02 %
Ryanair +53,22 %
Royal Caribbean Cruises +41,77 %
Accor -0,96 %
Expedia -4,19 % 
Deutsche Lufthansa -45,43 %
Norwegian Cruises Line -64,88 %
TUI -74,07 %

Quelle: FactSet; Stand: 03.07.2024 

Autor: Steffen Droemert

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